Pilotenschüler/-innen erzählen

VIELLEICHT DIE SCHÖNSTE ZEIT DES LEBENS

Die Ausbildung als Pilot bei der European Flight Academy ist anspruchsvoll und herausfordernd. Doch nach der Theoriephase werden die Schüler mit dem Training in der Wüste Arizonas oder vor der Küste Floridas belohnt. Eine besondere Zeit auf dem Flugcampus beginnt.

«Mobile Traffic Cirrus 836EF, Solostudent Lining up on Runway 27 for left closed traffic mobile», tönt es im Funk. Oliver, 25 Jahre, Flugschüler aus Essen, bringt seine Maschine in Startposition auf der Runway von Mobile, dem privaten Flugplatz der European Flight Academy südwestlich von Phoenix. Auf der Piste drückt er den Schubhebel nach vorne, so wie er es unzählige Male trainiert hat, und bei 71 Knoten hebt die Cirrus ab. Der Unterschied: Heute sitzt er erstmals allein im Cockpit.

 

«Ein unbeschreibliches Gefühl»

Aus dem Cockpit sieht er die zackigen Felsen der Wüste, strahlend blauen Himmel, und je höher die Cirrus steigt, umso mehr Leichtigkeit und Freude empfindet er beim Blick auf die endlose Wüstenlandschaft und ihre rot leuchtenden Täler. Die Anspannung, die er beim Rollen zur Startbahn noch gespürt hat, ist weg. Oliver konzentriert sich allein darauf, das Erlernte umzusetzen. Zeit, darüber zu grübeln, dass kein Fluglehrer neben ihm sitzt, bleibt ihm nicht.

 

So war das bei Olivers erstem Soloflug. «Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man ein Flugzeug ganz allein steuert. Und ich spreche hier sicherlich für alle, wenn ich behaupte, dass man seinen ersten Alleinflug für immer in Erinnerung behalten wird!»

Der Traum vom Fliegen wird wahr

Wenn die deutschen Pilotenschüler/-innen der European Flight Academy nach der Theorie in Bremen auf die erste Flugphase in Arizona oder Florida zusteuern, beginnt auch für sie eine unvergessliche Zeit. Der Flughafen in Arizona liegt zwei Kilometer südwestlich von Goodyear, in einem Vorort von Phoenix. Hier herrscht 365 Tage im Jahr Traumwetter – ideale Bedingungen für das Flugtraining und den Sichtflug. Hunderte von Flugschüler(inne)n haben bereits auf dem Wüstenflughafen, auf dem das Airline Training Center Arizona der European Flight Academy zu Hause ist, ihren ersten Soloflug absolviert.

 

Der Traum vom Fliegen, er wird wahr. Zwölf Monate haben sich die Pilotenschüler/-innen in den Fächern Navigation, Meteorologie, Elektrotechnik, Air Traffic Control, Aerodynamik oder auch Luftfahrtenglisch und Funken intensiv darauf vorbereitet. In Arizona sitzen sie zunächst gemeinsam mit ihren Ausbildern das erste Mal im Cockpit und absolvieren zahlreiche Trainingsflüge.

Wie bei der Führerscheinprüfung

Vor dem ersten Alleinflug steht zur Sicherheit der Pre-Solo-Checkflug: «Solch ein Checkflug ist vergleichbar mit einer praktischen Führerscheinprüfung, nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass man beim Autofahren selten nebenbei noch funken, Checklisten abarbeiten, vorgegebene Höhen sowie Kurse halten und im Idealfall auch nicht landen muss», sagt Oliver scherzend. Beim «Pre-Solo» fliegen die Schüler/-innen erlernte Manöver und zeigen, dass sie simulierte Motorausfälle bewältigen können und fit in diversen Landungsvarianten sind.  

 

Vollkreise nach links und rechts

Nach der Taufe im «Solo» geht das Flugtraining in die Phase Air Work. Der/die angehende Pilot/-in soll nun ein feines Gefühl für sein/ihr Flugzeug entwickeln und mit ihm in der Luft gewissermassen spielen können. «Ziel der Air Work ist es, gefühlvoll zu fliegen, um in jeder Situation ‹Herr der Lage› zu sein und um das Flugzeug zu kontrollieren», sagt Patrick, 29, Flugschüler aus Augsburg. Dabei werden verschiedene Flugmanöver nacheinander geflogen. Der Kurs begibt sich dazu in dafür vorgesehene Training Areas. Diese sind exakt festgelegt. Maximal zwei Maschinen dürfen sich zeitgleich in einer Area aufhalten, damit sich die Flugzeuge nicht zu nahe kommen. «Im besten Fall heisst es dann: ‹N832EF, you are number one in CHARLIE› und der Spass kann beginnen», sagt Flugschüler Patrick.  

 

Als Erstes sind «Steep Turns» dran: Vollkreise, die nach links oder rechts mit einer deutlich höheren Querneigung als übliche Kurven geflogen werden. Der/die Flugschüler/-in soll so präzise wie möglich Querlage und Flughöhe halten und nach dem Vollkreis wieder genau an seinem Ausgangspunkt ankommen. Das erfordert viel Fluggefühl und eine souveräne Beherrschung der Maschine.  

Gezielt Grenzen austesten

«Die Lernkurve hier ist steil, die Anforderungen sind da, und es macht dennoch unglaublich viel Spass», sagt Sabine, 26, Flugschülerin aus München. In der Air Work geht‘s weiter mit dem «Slow Flight». Hier ist die Kontrolle des Flugzeuges bei langsamen Fluggeschwindigkeiten das Ziel. Dabei bewegen sich die Pilotenschüler/-innen bewusst sehr nahe an der «Stall Speed» – der Geschwindigkeit, bei der die Strömung am Flügel abreisst und das Flugzeug beinahe aufhört zu fliegen. «Durch Unachtsamkeit oder äussere Einflüsse kann es in seltenen Fällen passieren, dass man in einen ‹Stall› gerät», erklärt Sabine. Trotzdem wird gezielt geübt, einen «Stall» herbeizuführen und ihn wieder aufzufangen.

 

Videos aus dem Grand Canyon

Neben diesem fliegerischen Feintuning, bei dem die Schüler/-innen üben, immer gefühlvoller zu fliegen, und dem Theorieunterricht, bei dem Flugplanung, Windermittlung und Spritberechnung geübt werden, stehen auch Roadtrips in die einzigartige Umgebung an: Las Vegas mit seiner glitzernden Skyline oder San Diego mit seinem Tiefwasserhafen, der aktiven Marineflotte und wahren Traumstränden locken. Die Videos jedes Kurses von Pilotenschüler(inne)n auf dem Speedboot oder im Grand Canyon sprechen Bände.   

 

In Goodyear wachsen die Schüler/-innen in den Pilotenberuf hinein. Sie schnuppern mit dem verbrannten Motorstoff auf der Runway erstmals auch den Geruch der weiten Welt. Symbolisch gehört dazu, dass sie nun Uniform tragen. Es sei ein grosser Moment, «wenn man die anderen und sich selbst in dieser Kleidung sieht», sagt Felix, 20, Pilotenschüler im LHG5. Zu den kreativen Flugschultraditionen gehöre auch, erzählt Felix, dass jeder Kurs einen eigenen Patch, einen Aufnäher, kreiere und das Motiv auf Sticker, Caps und Tassen drucke sowie auf den Schultern der Uniform trage. 

 

 

Ab in den Pool

Die ausgefallenste der zahlreichen Flugschultraditionen, die in Phoenix von der European Flight Academy kultiviert werden, ist aber diese: Nach jedem ersten «Solo» wird der/die Flugschüler/-in  vom Flugzeug zum Pool getragen. Seine Beine dürfen den Boden dabei unter keinen Umständen berühren. Kopfüber und in voller Montur wird er in den Pool geworfen. Die Aussentemperatur liegt bei 43 Grad Celsius – ein Moment fürs Fotoalbum.

 

Fast schade, wenn es nach vier Monaten nach Deutschland zurückgeht. Aber auch das dort wartende Simulatortraining bietet Herausforderungen. Eine Regel gilt für die angehenden Pilot(inn)en der European Flight Academy sowieso: Mit jeder Phase ihrer Ausbildung werden die Maschinen grösser und schneller, von der kleinen Cirrus bis zum Cockpit eines Airliners, dem zukünftigen Büro. Der grösste Herzklopfmoment der Ausbildung steht damit wohl noch aus: die erste Landung mit einem Passagierjet. Dennis glaubt: «Dieser Moment könnte wie der erste Kuss sein.»

Video

FASZINATION FLIEGEN

Im Video erzählen unsere Schüler/-innen, wie sie zur European Flight Academy gekommen sind, was sie antreibt und wie es sich anfühlt, endlich selbst zu fliegen.